Album-Reviews

Amoral Craft - "Live Demo" (Eigenvertrieb)
Demos haben sich ja schon auf den unterschiedlichsten Wegen zu uns begeben – von der selbstgebrannten und unbeschrifteten CD-R, die man mehr oder weniger kommentarlos in irgendeiner dunklen Ecke in die Hand gedrückt bekommt, bin hin zum professionell produzierten Hochglanzpaket, welches man selbstredend von der für teures Geld engagierten Promo-Agentur übermittelt bekommt. Ich dachte eigentlich, dass uns da nicht mehr viel schocken kann...
Gut, die Kollegen von Amoral Craft haben es dann doch irgendwie geschafft, den Vogel abzuschießen. Aber alles schön der Reihe nach: Komme ich eines schönen Tages nach Hause und finde einen Zettel im Briefkasten, dass auf der Post ein Einschreiben auf mich wartet. Da mein Gewissen zu dem Zeitpunkt - was Finanzamt und Bußgeldstelle angeht – recht rein war, flugs am nächsten Sonnabend früh aus dem Bett und mit großem Fragezeichen in den Augen zum Getränkemarkt gestiefelt (sowas altmodisches, wie 'ne Postfiliale gibt’s hier natürlich nicht mehr... Und sowas wie menschenwürdige Öffnungszeiten gab's bei dem Verein ja noch nie...), um rauszufinden, wer denn da was wichtiges von mir will. Nach etwas Gewühle hinter dem Schalter brachte die Kollegin von der Post dann einen Klumpen Klebeband hervor, der anscheinend für mich bestimmt war. So genau konnte das aber keiner sagen, schließlich war das Ganze von oben bis unten nur in – Trara! – kyrillisch beschriftet. Die Fragezeichen in meinen Augen dürften zu diesem Zeitpunkt schon bis zu Boden gereicht haben, da fragt mich die Post-Tussi auch noch was das denn sei. Gute Frage, keine Ahnung - meine ich. Ich müsste doch wissen, was mir so geschickt wird – erwidert die Tussi und gibt noch ein paar Zettel zum Unterschreiben – Zollerklärung oder sowas; alles natürlich – Bingo!- wieder in kyrillisch. Dumm wenn man kein Russisch kann... Ich glaube, ich muss da mal 'nen Schnellkurs belegen, damit ich wenigstens bescheid weiß, wenn die Waschmaschinen ankommen – oder was auch immer ich da so alles bestellt habe...
Gut, da hatte ich also ein nettes Päckchen, das anscheinend aus Russland kommt und immer noch keine Peilung, was die ganze Aktion eigentlich soll. Da hilft nur eins: Aufmachen. Leichter gesagt als getan, denn das Klebeband hielt ganz gut – da könnte sich so mancher Ebay-Hansel mal eine Scheibe abschneiden. Letztendlich ließ sich das Knäuel unter dem Einsatz sämtlicher Zähne und dem unguten Gefühl, dass das Ding gleich explodiert, irgendwann entwirren und eine CD kam zu Vorschein. Zwar recht kommentarlos das Ganze aber immerhin mit Cover in – Hey! - lateinischer Schrift. Wenigstens war jetzt klar, was die Aktion bezwecken sollte.
Also flugs nach Hause und das Ding neugierig in den CD-Spieler geschoben. Der beantwortete mein Ansinnen allerdings mit einem stoischen „No Disc“. Gut, muss man erst drauf kommen, das die fünf Songs nebst zweier hausgemachter Live-Videos als mp3s auf der Scheibe liegen.
Der Rest ist dann aber recht schnell erzählt: Amoral Craft stammen – wie der ein oder andere, der sich diesen ganzen Blödsinn bis hierhin durchgelesen hat, vielleicht schon vermutet hat – aus Smolensk in Russland, sind zu viert und spielen eine Mischung aus Thrash- und Powermetal. So eine Art Slayer meets Masterplan. Von der Idee her nicht schlecht, abwechlungsreich und handwerklich sauber umgesetzt, aber letztendlich auch schon tausendmal woanders gehört. Klingt leider etwas angestaubt und seelenlos. Eigentlich schade, bei der Aktion hätte mehr herauskommen müssen.
Und die Moral von der Geschichte: Das nächste Mal schlaf ich aus und spar mir den Rest...

5 | 10 Punkten - Holger

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