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Album-Reviews

Long Distance Calling - "Ghost" (Avoid The Light Records)


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Long Distance Calling
Festivals, Konzerte oder insgesamt Touren – zu Pandemiezeiten eine wirklich bescheidene Situation, welche auch für Long Distance Calling mehr als nervig war und ist.
Die sympathischen Münsteraner konnten ihr letztes Album „How Do We Want To Live“ live kaum promoten , aber statt den Kopf in den Sand zu stecken, waren sie gewohnt innovativ und verbarrikadierten sich für ein verlängertes Wochenende in einer Ferienhütte, um dann mit der EP „Ghost“ über das bandeigene Label neuen Stoff zu präsentieren – und der hat es wahrlich in sich…

„Dullahan“ markiert das Intro (mit quietschender Tür zu Beginn, die Intro-mäßig wohl eher geöffnet, statt geschlossen wird…). Der Track könnte auch aus einem Computerspiel (Horror-Abenteuer oder so) stammen. Grandioses Intro.
Man ist schnell in der richtigen Stimmung und vorbereitet um sich den Klängen des dann ersten Songs „Old Love“ zu widmen, der einen direkt in eine sehr „chillaxte“ Stimmung versetzt. Der Song ist relativ ruhig und bedächtig, bringt einen aber auch in dieser Intensität auf die richtige Temperatur.

„Black Shuck“ war vor einigen Wochen schon die erste „Auskopplung“ in Videoform und neben dem wirklich sehenswerten Video, besticht dieser Song durch eine wunderbare Intensität, welche in ihrer Gesamtheit recht düster ist. Spätestens jetzt fällt auch auf, wie schön die Songs eingespielt sind. Der Sound ist absolut organisch und die Aufnahme ist warm und weit weg vom sterilen 0815 Sound diverser Bands. Hier wurde ganze Arbeit geleistet und man merkt wie wichtig dieser Parameter auch für die Band ist.

„Seance“ beginnt sehr atmosphärisch und verträumt und ist mit über acht Minuten Spiellänge der zweitlängste Song auf dieser Scheibe. Streckenweise klingen einige Parts hier fast wie Walgesänge, wobei das wohl eher mein persönlicher Eindruck ist – aber es passt hervorragend. Dieser Song ist so verdammt verträumt und intensiv - freue mich hier schon enorm auf eine eventuelle Live-Umsetzung.

„Fever“ beginnt für mich mit so einem leichten „Stranger Things“ Vibe und das ist positiv, denn dann bewegt er sich in eine verträumte und wunderbare Ecke. Mit diesem Song werden wir nun auf „Negative Is The New Positive“ vorbereitet, welches der letzte, aber auch der längste Song der EP ist.

Er beginnt recht düster und baut sich langsam, aber recht bedrohlich, auf. Nach einiger Zeit erreicht er seinen Groove-Bereich, um dann mit einer wunderbaren Soundwand zu kippen und den Hörer aufs nächste Level zu heben. Ich fühle mich ein wenig in irgendeine dystopische Filmsequenz transferiert, denn mit seinen verdrehten Sprachsamples und der wirklich düsteren Stimmung schaffen Long Distance Calling eine unfassbare Intensität, die mir unfassbar gut gefällt.
Es wird gar nicht viel „gespielt“, hier wird im Grunde ausschließlich Atmosphäre erzeugt und das kann sich sehen lassen. Aber kaum ist man in seiner Gedankenwelt versunken, blasen die Jungs zum finalen Angriff und steuern das Schiff sicher in den Hafen – was für ein Finale….was für ein grandioser Song, der diese tolle EP finalisiert.

„Ghost“ ist eine wirklich grandiose EP und mit über 30 Minuten Spieldauer schon fast mehr als nur eine EP. Da können sich einige (auch viel größere Chart-) Bands aber mal eine gehörige Scheibe abschneiden – ohne da tiefer ins Detail zu gehen. Was die Jungs hier in kürzester Zeit geschrieben und aufgenommen haben, ist aller Ehren wert.

„Ghost“ ist in Gänze relativ relaxt und dann doch wieder sehr düster und intensiv - ein wunderbarer Begleiter für längere Autofahrten und er macht sich auch bei diversen Freizeitaktivitäten sehr gut auf dem Ohr.
Wer sich nicht spätestens jetzt mit der Band beschäftigt (falls noch nicht geschehen), dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Auf Long Distance Calling, die für mich mit jedem neuen Jahr ein immer wichtigerer Bestandteil der Deutschen Musikszene werden, ist auf jeden Fall Verlass. Hier wird Innovation großgeschrieben und sie arbeiten mit viel Liebe und Herzblut und ich hoffe der werte Hörer weiß es zu schätzen.
Danke nach Münster – ich ziehe meinen Hut vor dieser „Ferienhaus-Jam-Session“...

9 | 10 - Jens Krause

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