Harbor Inn Studios - Bremen
 

Live-Reviews

The Ocean - Bremen - Tower (30.03.2019)
Mit einem 3:1-Werder-Heimsieg gegen Mainz im Rücken steht heute noch ein wenig Geschepper auf dem Programm: The Ocean präsentieren endlich ihr aktuelles Album „Phanerozoic I: Palaeozoic“ ( schmissiger Titel, geht locker über die Lippen ) live. Der Bremer Tower ist dafür wie gemacht, dort habe ich die Band einige Jahre zuvor schon mal im Paket mit Red Fang und Earthship gesehen und weiß daher, dass auf der Bühne heute keine Gefangenen gemacht werden.

Doch zuerst stehen noch zwei Supports an, Herod und Downfall Of Gaia. Erstgenannte Band steht beim The-Ocean-Label Pelagic Records unter Vertrag, zudem singt und gitarrt dort der frühere The-Ocean-Sänger Mike Pilat. Also naheliegende Wahl. Bereits 25 Minuten nach Einlass brettert die Truppe los, als gäbe es kein Morgen. Was für eine unfassbar fette Soundwand! Ich muss kurz nachdenken, ob ich so einen tonnenschweren Sound schon mal im Tower erlebt habe, doch diese Gedanken weichen permanentem Headbangen. Die Songs kommen mit ordentlich Schmackes aus der PA, und nach einer guten halben Stunde beenden Herod ihren furiosen Auftritt. Auftakt nach Maß!

Downfall Of Gaia sind derzeit irgendwie in aller Munde, aber so richtig vom Hocker reißen mich die Jungs dann auch nicht, obwohl sie objektiv gesehen einen guten Gig spielen und ordentlich drauflos ballern. Obwohl drei der vier Bandmitglieder den „Gesang“ unter sich aufteilen, wirkt das alles schon recht monoton. Insofern ziehen sich die ca. 45 Minuten zum Ende hin ein wenig. Sehr auffällig ist aber die Tatsache, dass ein Großteil der Besucher vermeintlich exklusiv auf die Truppe mit Bandmitgliedern aus Hamburg, Berlin und auch New York (so liest man) gewartet haben, denn im Zenit des Gigs ist der Tower extrem gefüllt, fast mit noch 5% mehr als beim dann folgenden Headliner. Wir werden die Band bald wieder auf Tour sehen, denn die Bremer Mantar haben sich Downfall Of Gaia als Support für die folgende Tour gesichert.

Ganz anders dann The Ocean, die gleich mit ihrem (meiner Meinung nach) besten Song „Cambrian II: Eternal Recurrence“ starten und in den folgenden 80-85 Minuten ein wahres Feuerwerk an Vielfalt und abwechslungsreichem Songwriting abbrennen. „Firmament“ vom 2010er Album „Heliocentric“ ist ein Paradebeispiel dafür, wuchtig und dabei äußerst melodiös. Da lassen sich auch die Bremer nicht zweimal bitten, Circle Pit und Crowdsurfer gibt es heute on top. Einer der Crowdsurfer ist dabei Sänger Loïc Rossetti, der von einem Zuschauer geschultert und durchs Publikum getragen wird. Die Band selber scheint auch Spaß zu haben, das kann man in Teilen (bedingt durch den Einsatz von viel Nebel und Licht) nur erahnen, denn oftmals kann man die Gesichter der Truppe und ein vermeintliches Grinsen nicht erkennen.
Was bei The Ocean auffällt, ist deren unfassbare Intensität und deren Gabe diese mit viel Atmosphäre zu untergraben. Der Sound ist sehr bissig und toll abgemischt – ist aber auch das Fundament ihrer Live-Stärke. Es fällt mir in letzter Zeit immer mehr auf, dass es viele gute Bands gibt, die aber dann live mit dem Sound zu kämpfen haben und das dann gleich als Manko haben und sich damit ihrer Stärke berauben. Einen so starken Sound, wie diesen Abend bei The Ocean, habe ich zuletzt nur bei den Lokalmatadoren von Judas Hengst erlebt.
Das ist aber grundlegend sehr selten, das war tolle Arbeit vom Mischer und einer sehr eingespielten Truppe, die unheimlich tight ist.

The Ocean zeigen viel Einsatz und nach etwas über einer Stunde kommt es dann zu einer kurzen Pause. Es folgen noch drei Zugaben, dann ist schon Schluss. Heftiger Abriss!

Apropos, der Tower ist heute sehr angenehm gefüllt – wohl nicht ausverkauft, aber nicht weit davon entfernt (habe da aber keine gesicherten Infos). Das war ein tolles Paket und neben den Garanten konnten auch die mir bis dahin unbekannten Herod auf ganzer Linie punkten

Links:
The Ocean

Eisen-Dieter & Jens Krause

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