Live-Reviews | | D-A-D - Osnabrück - Hyde Park (08.11.2025) | Fast auf den Tag genau 10 Jahre nach meinem letzten Aufenthalt ( damals Eskimo Callboy ) stehe ich heute mal wieder im Hyde Park. Schade, früher fanden hier deutlich mehr coole Konzerte statt. Heute jedenfalls findet die smart als „Cowpunks & Glampires Tour 2025“ firmierende Zusammenkunft der beiden Co-Headliner statt, mit diesem Schachzug ködern die Bands somit auch jene Zuschauer zur Show, die sich The 69 Eyes oder halt D-A-D sonst wohl nicht angeschaut hätten. Kurz am Merch vorbeigeschaut – Shirts 40 Euro, Hoodies 80… also schnell vor die Bühne.
The 69 Eyes eröffnen den Abend pünktlich um 20 Uhr mit „Devils“ und ziehen das traditionell Gothic-affine Osnabrücker Publikum recht schnell auf ihre Seite. Kein Wunder, der Goth‘n‘Roll der Finnen läuft gut rein, ein paar Songs habe ich im Laufe der Jahre schon mal gehört und auch wiedererkannt, ohne mich jemals näher mit der Truppe beschäftigt zu haben ( „Brandon Lee“, „Lost Boys“ ). Jedenfalls hatte ich die „Jungs“ deutlich jünger in Erinnerung – aber die sind mittlerweile ja auch schon seit 1989 aktiv.
Im Laufe der knapp 80 Minuten legen die Bandmitglieder nach und nach ihre Sonnenbrillen ab, was sich meiner Meinung nach ebenfalls positiv auf die Stimmung auswirkt.
Lustige Randnotiz: Der Einsatz mit Trockeneisnebel erreicht fast slapstickartige Ausmaße, zeitweise sind mindestens die ersten 10 Reihen sowie die komplette Bühne eingenebelt und man kann das Geschehen auf der Bühne nur erahnen. Alles in Allem recht unterhaltsam, auch wenn ich eine kürzere Spielzeit begrüßt hätte ( die bei D-A-D dann gerne hätte drangehängt werden dürfen ;) ).
Ob die Umbaupause in dieser relativ übersichtlichen Venue nun wirklich 40 Minuten betragen muss, lassen wir ebenfalls mal dahingestellt. Denn auch diese Wartezeit ist irgendwann vorbei, und die Dänen von D-A-D betreten endlich den Ring. „Jihad“ als Opener hat sich irgendwie fast schon eingebürgert, ist aber auch immer wieder eine vortreffliche Wahl, denn so ist das Publikum direkt auf Betriebstemperatur.
Dem aktuellen Album „Speed Of Darkness“ wird mit insgesamt 3 Songs Rechnung getragen, wobei vor allem der bluesig angehauchte Titeltrack sowie das stimmungsvolle „The Ghost“ vollends überzeugen. Dawischen hagelt es Klassiker im Minutentakt, „Girl Nation“, „Rim Of Hell“ und „Everything Glows“ animieren zum Mitsingen und Abgehen. Die Band selbst wirkt wie immer äußerst sympathisch: Basser Stig wechselt spätestens nach 2 Songs seinen Bass und zaubert dabei immer absurdere Modelle zutage ( immer noch am besten: Der Bass mit dem umgekehrten Korpus-/ Gitarrenkopf-Verhältnis ). Jacob Binzer gibt erneut den Ruhepol und erinnert mit seinem Zylinder irgendwie an Joe Bonamassa. Drummer Laust Sonne ist ein Wirbelwind vor dem Herrn, es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen. Und dann wäre da noch Jesper Binzer, Sänger und Gitarrist. Der Ausflug ins Publikum ( bei „Something Good“ ) ist genauso herrlich wie seine teils radebrechenden Ansagen in Deutscher Sprache ( „Verstehen Sie, was ich sage?“ ). Was für eine geile Truppe. Kannste Dir immer angucken.
Wenn dann nach „Bad Craziness“, „Sleeping My Day Away“ und „It‘s After Dark“ plötzlich 80 Minuten vorüber sind, reibt man sich schon ein wenig verwundert die Augen. Was für ein toller Abend.
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