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Hanoi Rocks
Während eine Menge Rock Acts nach 25 Jahren Existenz nur noch ein Schatten ihrer selbst sind und von den Lorbeeren ihrer Frühwerke zehren, sieht es bei den finnischen Sleaze Rockern Hanoi Rocks ganz anders aus. Klassiker können sie ebenfalls vorweisen, nur haben Frontmann Michael Monroe und Gitarrist Andy McCoy ihren Zenit noch lange nicht überschritten. Ihr aktuelles Album Another Hostile Takeover ist schlichtweg großartig und sprüht vor Spielfreude und Ideenreichtum fast über. Das ist Rock’N’Roll und ganz großes Kino!
Für Schlagzeilen sorgten Hanoi Rocks zuletzt als Überraschungsgast des Bang Your Head-Festivals 2005, wo man einen schweren Stand hatte, nachdem im Vorfeld große Namen wie Mötley Crüe oder Accept die Runde machten. „Im Endeffekt waren wir mit unserem Auftritt ziemlich zufrieden, da es auch ein Test für unser neues Line-Up war und alles super gelaufen ist. Uns hat es Spass gemacht und wir haben sehr viel positives Feedback bekommen“. Seit Mitte November steht nun der Nachfolger des Reunion-Werks Twelve Shots On The Rocks (2003) in den Läden und die Zeichen scheinen wirklich auf Sturm zu stehen, selten waren sich Kritiker allerorts derart einig. „Wir haben versucht in viele verschiedene Richtungen zu experimentieren, ohne jedoch unseren eigentlichen Stil außer Acht zu lassen. Es ist unverkennbar Hanoi Rocks und ich muss ehrlich sagen, dass ich auf unsere nächste CD noch viel gespannter bin. Mit Andy Christell (Bass) und Connie Bloom (Gitarre; ex-Electric Boys) haben wir zwei neue Musiker in der Band und ich bin wirklich aufgeregt, was diese Besetzung zu leisten im Stande ist. Wir haben bereits damit begonnen neue Songs zu schreiben und vorproduzieren, denn man muss den Ball immer am Laufen halten.“ Was uns eine rosige Zukunft garantiert.
Doch blieben wir in der Gegenwart und der verdammt starken Another Hostile Takeover Scheibe, welcher man den Spass und die Spielfreude anhört. Gemischt wird die Mixtur aus Glam und Sleaze Rock mit Rockabilly, Reggae und Blues Einflüssen, was für einen wahrlich bunten Crossover sorgt. „Die Songs sind immer aus einer Laune heraus entstanden, da war nichts geplant oder kalkuliert. Es ist gut möglich, dass unsere nächste CD eine straighte Rockscheibe wird. Aber wir sind in den Siebzigern aufgewachsen und wurden durch die Musik von den Rolling Stones, AC/DC oder Alice Cooper geprägt. Ebenso lieb ich Rockscheiben aus den 50ern, genauso wie die Ramones, The Damned oder Sex Pistols.“ Auf die Rockabilly Einflüsse in Tracks wie Love oder Dear Miss Lonely Hearts angesprochen, gerät Michael weiter ins Schwärmen. „Diese Musik hat meine Jugend geprägt und ich höre sie noch heute gerne. Little Richard war legendär und hat mich mitunter dazu bewogen Saxophon zu spielen. Deshalb setze ich das Instrument heute noch sehr gerne ein, da es machen Stellen einen tollen Flair verleiht.“ Mittlerweile ist das Saxophone ein unverzichtbares Trademark im Sound der Skandinavier.
In ihrer finnischen Heimat sind Hanoi Rocks stets Superstars gewesen und verkaufen sämtliche Singles und Alben noch immer mit Goldstatus. Mittlerweile verbindet man das Land der tausend Seen mit Acts wie Him, The 69 Eyes oder The Rasmus, die jedoch alle auf ihre Art ein gewisses Glam Rock Feeling besitzen und Hanoi Rocks teilweise auch als Einfluss benennen. „Ich habe davon gehört, aber gebe mir bitte nicht die Schuld dafür“; scherzt der Sänger. „Ich find es allerdings eher hinderlich wenn sich Bands zu sehr beeinflussen lassen und einem bestimmten Trend nachgehen. In den Siebzigern hatten die Acts mehr Eigenständigkeit und Personalität. Heutzutage wird viel zuviel Buisness gemacht, worunter die Musik erheblich leidet. Es gibt nur noch sichere Investitionen und Bands werden darauf getrimmt Hits zu produzieren. Sind wir mal ehrlich, das kann doch auf Dauer nicht funktionieren. Aber es heißt, dass die Mehrheit der Musikliebhaber auf Qualität achten.“
Nach dem Split mit Hanoi Rocks Mitte der Achtziger, kurz nachdem deren Drummer Nicholas „Razzle“ Dingley bei einem von Vince Neil (Mötley Crüe) verursachten Autounfall ums Leben gekommen ist, zog Michael Monroe nach London und wenig später nach New York, wo er bis 1995 residierte und seiner Solokarriere nachging. „Ich lebte in der lautesten, aber vielleicht auch sichersten Gegend. Dort hatte ich eine aufregende Zeit, aber eines Tages beschloß ich in meinem Leben etwas zu ändern und zog zurück nach Finnland und lies mich in einer ländliche Gegend nieder. Das ging eine Weile gut, denn ich konnte mich auf’s Songwriting konzentrieren, aber irgendwann war mir klar, dass ich die Großstadt brauche und lieber auf’s Land fahre, um Urlaub zumachen. In den Staaten möchte ich heute allerdings auch nicht mehr leben, das ist mir zu apokalyptisch“, berichtet der Sänger, der unter dem Namen Matti Fagerholm geboren wurde. Die Zukunft sieht er dabei nüchtern. „Ich habe mir meine Träume im Grunde schon erfüllt und mache nach wie vor das was ich liebe: Musik. Ich bin in der glücklichen Lage von der Musik leben zu können, ich muss keine Anzüge tragen und brauch mich nicht zu ändern oder verbiegen.“
Michael Monroe ist ein Unikat und selten trifft die Bezeichnung Rockstar so gut wie bei ihm. möge er uns noch viele Jahre und für viele Alben erhalten bleiben

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Hanoi Rocks
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