Harbor Inn Studios - Bremen
 

Live-Reviews

Devin Townsend - Hamburg - Markthalle (18.11.2019)
Nach dem Akustik-Abstecher im April diesen Jahres – ebenfalls in Hamburg – fährt Devin Townsend nun in der deutlich größeren Markthalle das volle Programm auf und steht mit einer insgesamt zehnköpfigen Band auf der Bühne.
Kaum vorstellbar, wie das auf die doch recht kleine Bühne des Grünspans, in dem das Konzert ursprünglich stattfinden sollte, hätte passen sollen. Im Vergleich zu den anderen Venues auf der Tour ist aber selbst die Markthalle mit seiner Bühne eher noch eine kleinere Location, denn hier konnte nur 1/3 der Bildschirm-Technik auf der Bühne aufgebaut werden.
Doch der Reihe nach: Es ist Montag, das Wetter ist gelinde gesagt beschissen und beim Versuch am Hauptbahnhof einen Kaffee zu ergattern, landet man in einem Meer gestrandeter Gäste der Deutschen Bahn, da scheinbar irgendeine Verbindung gekappt wurde.
Davon lässt man sich jedoch die Vorfreude nicht verderben und nach dem Einlass wendet sich der Blick dem Merch-Tisch zu. Die Shirt-Motive sind eine Nummer für sich.
Auf jedem Shirt findet sich irgendein obskures Tier wieder und selbst Handpuppen, sowie Caps im „Ziltoid“-Design kann man hier käuflich erwerben. Neben Schlüsselanhängern dürfen sogar Socken nicht fehlen und sind in verschiedenen Designs und Farben zu erwerben.On Top gibt es ein „Ziltoid“-Glücksrad, bei dem man z.B. T-Shirts oder ein Treffen mit „Master Devin Himself“ gewinnen kann (bei fünf Euro Einsatz ein überschaubares Risiko). Bis auf ein paar Socken, wurde hier aber unsererseits nichts gewonnen. Damit ist die lustige Abteilung Merchandise aber auch mit einem breiten Grinsen abgearbeitet.

Die Markthalle füllt sich mehr und mehr und viele Zuschauer scheinen bereits sehnsüchtig auf den Opener zu warten und diesen geben heute Haken aus dem Vereinigten Königreich und nach wenigen Momenten wird klar, dass es die nahezu perfekte Besetzung für das Vorprogramm ist.
Der leicht vertrackte Sound der Briten passt hervorragend zum heutigen Haupt-Act und so verwundert es kaum, dass es im Publikum nicht wenige textsichere Menschen gibt, denen die Band bereits mehr als nur geläufig ist. Die 45 Minuten vergehen recht schnell, die Band agiert sehr abwechslungsreich und erinnert mich nicht selten an die großartigen The Ocean, jedoch mit komplett anderem Gesang (teilweise von fünf der sechs Bandmember vorgetragen). Der erste Song dauert schlanke 10 Minuten, danach gibt es auch mal einen rein instrumentalen Song – trotz allem geht der rote Faden nie verloren und letztendlich kann man den Auftritt als vollen Erfolg verbuchen.
Nach einer halbstündigen Umbaupause (ob das wirklich immer sein muss, lassen wir mal dahingestellt, für mich ist das immer n ziemlicher Stimmungskiller – das Publikum ist gerade auf Temperatur und dann der Coitus Interruptus) betreten dann nach und nach die 10 Musiker die Bühne, die die nächsten zwei Stunden im Mittelpunkt stehen werden. Den Anfang macht Keyboarder Diego Tejeida, der bereits mit Haken zuvor auf der Bühne stand und nun erstmal eine Mischung aus Vodka und einem Fruchtsaft mischt und anschließend an seine Mitstreiter verteilt. Zum Schluss kommt dann selbstredend Devin unter unfassbar lautem Jubel auf die Bühne und man steigt gemeinsam in „Borderlands“ (vom aktuellen „Empath“-Album) ein. Das ist ein ziemlich entspannter Auftakt und Devin bezeichnet das Konzert im Laufe des Abends auch mehrfach als Urlaub für das Publikum und auch die Band selbst. Das merkt man der bunt zusammengewürfelten Truppe auch an, es herrscht eine fast schon ausgelassene Stimmung auf der Bühne (davor natürlich auch).
Die Musiker haben augenscheinlich einen Heidenspaß an dem was sie da tun. Songs wie beispielsweise „Evermore“, „Coast“ oder das epische „Deadhead“ tun ihr Übriges. Das Publikum wirkt teilweise wie in Trance und auch an uns rauscht das Konzert in einer atemberaubenden Geschwindigkeit vorbei. Ich erwische mich dabei, dass ich mir einige spezielle Songs wünsche, diese kommen dann teilweise auch noch zu einem späteren Zeitpunkt, andere („Hyperdrive“, „Offer Your Light“ oder auch mal ein Strapping Young Lad Song) leider nicht.
Nach einem kurzen Break taucht Devin dann in einem schwarzen Tütü auf der Bühne auf und intoniert eine Killerversion vom epischen „Why?“, gefolgt vom Gute-Laune-Kracher „Lucky Animals“. „Genesis“ wird gnadenlos abgefeiert und mitgesungen. Dann kommt eine sehr reduzierte Version von „Spirits Will Collide“, zu der mehr oder weniger nur die vier Damen, Bassist Nathan Navarro und Devin (mitsamt Akustikgitarre) auf der Bühne stehen. Generell erlaubt die 10-Mann-Band diverse unterschiedliche Konstellation auf der Bühne, was auch mehrfach genutzt wird.

Die Zugaben haben es dann noch einmal so richtig in sich:
Den Auftakt macht eine Coverversion von „Disco Inferno“ von The Trammps, die mal so gar nicht auf ein Metal- oder zumindest Rock-Konzert passen will, aber genau deswegen unheimlich gefällt. Devin liebt es, mit den Erwartungen und Gewohnheiten der Zuhörer zu spielen und mit den gängigen Metal-Klischees hat er eh schon lange nichts mehr am Hut.

Nach einem Keyboard- / Drum-Battle, welches „The Black Page #1“ von Frank Zappa zitiert, folgt der absolute Höhepunkt der Show: „Kingdom“.
Hier gilt eigentlich: Kein Wort der Welt kann das, was sich da abgespielt hat, angemessen beschreiben.

Man muss dabei gewesen sein. Unfassbar - unfassbar geil. Kaum zu glauben, dass zwei Stunden so schnell vergangen sein sollen.
Ich bin sehr gespannt, ob Devin seinen Worten, dass er im nächsten Jahr Strapping Young Lad-Songs auf dem zweiten Part der Tour spielen wird, Taten folgen lässt.
Wenn dann noch „Aftermath“, „Force Fed“, „Far Beyond Metal“ und „Detox“ gespielt wird (gut, die Geschmäcker sind ja verschieden), ist die Welt wieder in Ordnung….

Team „King Asshole“ wird in jedem Fall wieder vor Ort sein - so viel steht fest.

Links:
Devin Townsend

Eisen-Dieter & Jens Krause

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